ArrangementLabs wurde beim Demo Day der vierten Ausgabe des Unicorn Hub Innovation Lab als bestes Projekt ausgezeichnet. Vierundzwanzig Teams stellten dort ihre Arbeit vor. Wir zeigten ein Werkzeug zum Arrangieren von Musik für unterschiedliche Besetzungen: vom Hochladen eines Stücks über die Wahl der Besetzung bis zum Herunterladen der Partitur. Das Erstellen des Arrangements dauerte etwa anderthalb Minuten.
Die ersten Konzepte für ArrangementLabs entstanden im Juni 2025. Anschließend widmeten wir uns ausführlich der Ausarbeitung der Idee und der Planung der Systemarchitektur. Wir legten fest, wie Musiker mit der Anwendung arbeiten sollten, welches Material sie hochladen könnten und in welcher Form sie die Bearbeitung erhalten würden. Darauf aufbauend entwarfen wir die einzelnen Verarbeitungsschritte und das Zusammenspiel der verschiedenen Systemkomponenten.
Die Idee entstand aus unserer eigenen Erfahrung im Arrangieren von Musik für unterschiedliche Besetzungen. In der Anwendung bieten wir zwei Arbeitsweisen an: Transkription und kreatives Arrangement.
Der Transkriptionsmodus überträgt vorhandene Noten auf die gewählte Besetzung. Er ist unter anderem für die Arbeit mit klassischem Repertoire und Alter Musik gedacht, wenn das ursprüngliche Notenmaterial möglichst getreu erhalten bleiben soll. Stehen weniger Instrumente zur Verfügung, als das Stück Stimmen enthält, werden einige Stimmen zusammengeführt.
Das kreative Arrangement bietet größere Freiheit bei der Umgestaltung des Materials. Das Modell erstellt anhand der Beschreibung des Nutzers eine neue Bearbeitung für die gewählte Besetzung. Dabei kann es die Satzstruktur, die Stimmführung und die Verteilung des Materials auf die Instrumente verändern. Dieser Modus richtet sich an Musiker, die nach einer anderen Deutung eines Stücks oder nach Anregungen für die weitere Arbeit am Arrangement suchen.
In beiden Modi können Musiker die entstandene Bearbeitung anhören, im Editor korrigieren und die Noten zur weiteren Bearbeitung exportieren.
Bei den ersten Versuchen übertrugen wir einen Klaviersatz auf mehrere Instrumentalstimmen. Wir hörten uns die Ergebnisse an und analysierten die Partitur, um festzustellen, was verbessert werden musste.
Parallel dazu arbeiteten wir an der Qualität der Bearbeitungen. Nach einer ersten zusätzlichen Trainingsphase des Modells mit Daten zur klassischen Musik begannen wir, Arrangements verschiedener Modellversionen miteinander zu vergleichen. Die Bewertenden erhielten mehrere Bearbeitungen desselben Stücks zum Anhören, ohne zu erfahren, welche von der neueren Modellversion stammte. So prüften wir, ob unsere Änderungen die Arrangements tatsächlich verbesserten.
Manchmal hörten wir eine Verbesserung, derer wir uns zuvor sicher gewesen waren, nicht mehr, sobald wir beim Hören nicht wussten, welche Modellversion das Arrangement erstellt hatte.
Solche Ergebnisse brachten uns dazu, die eigenen Ideen erneut zu prüfen. Auch die Notation nahm viel Zeit in Anspruch. Das Modell konnte das Material bereits auf die Instrumente verteilen, doch die entstandene Partitur ließ sich mitunter nur schwer lesen und weiterbearbeiten. Wir verbesserten die enharmonische Schreibung, die Balkensetzung, die Notation von Auftakten und die Darstellung zweier Stimmen in einem Notensystem. Wir korrigierten fehlerhafte Notenwerte und arbeiteten an den Registern der Instrumente sowie an der Verteilung des Materials auf die einzelnen Stimmen.
Jeder unübersichtlich notierte Takt bedeutete Arbeit, die ein Musiker nach uns übernehmen müsste.
Für die Beurteilung der Ergebnisse brauchten wir außerdem einen bequemen Zugang zur Partitur und zur Wiedergabe. In der Anwendung wurde es möglich, einzelne Stimmen anzuhören, Instrumente stummzuschalten und das Arrangement mit dem Original zu vergleichen. Anschließend ergänzten wir einen Editor, mit dem sich Noten direkt im Browser ändern lassen. Die Änderung ist sofort hörbar, und eine neue Fassung des Arrangements kann gespeichert werden, ohne die vorherige zu verlieren.
Bis Mitte Juli umfasste der Katalog gut ein Dutzend Besetzungen: Streicherensembles, Duos mit Klavier, Duos mit Akkordeon und Soloinstrumente. Nutzer konnten bereits den gesamten Weg vom Hochladen eines Stücks über die Bearbeitung des Arrangements bis zum Herunterladen der Materialien in den Formaten MusicXML, MIDI und PDF durchlaufen.
Der Demo Day bot Gelegenheit, die Ergebnisse dieser Arbeit einem größeren Publikum vorzustellen. Gleichzeitig trugen sich Menschen aus verschiedenen Teilen der Welt in die Warteliste ein. Wir möchten nun ihr Repertoire und ihre Bedürfnisse kennenlernen und erfahren, wie sie die erstellten Bearbeitungen beurteilen.
Die Anwendung befindet sich weiterhin in der geschlossenen Betaphase. Wir versenden die Einladungen schrittweise und planen die Veröffentlichung von Version 1.0 für den Herbst 2026. Vor uns liegt weitere Arbeit am Modell, am Notenbild und an der Bearbeitung von Arrangements – nun gemeinsam mit Musikern, die ArrangementLabs in ihrer eigenen Arbeit einsetzen werden.